Polizeibeamte schauen sich meist keine Krimis an, weil sie die Darstellung der angeblichen Realität zu sehr durch so genannte Krimi-Fehler von den eigentlichen Erlebnissen abweicht.

Bei einem typischen Krimi-Fehler in Filmen, wie dem "Tatort" muss man unterscheiden

 

Dramaturgische Fehler

Dies sind absichtliche Änderungen, die dem besseren Verständnis dienen oder den technischen Notwendigkeiten eines Filmes geschuldet sind.

  • Personen in Fahrzeugen auch nachts bei verdeckter Observierung sind immer gut beleuchtet
  • Sitzt der Hauptdarsteller in einem Fahrzeug, ist stets das Seitenfenster geöffnet
  • Jeder noch so komplexe Fall ist in 90 Minuten gelöst
  • Auch bei polizeiinternen Ermittlungen, die eigentlich vertraulich sein sollten, gibt es immer jemandem, dem (aber in Wirklichkeit dem Zuschauer) die Abläufe erklärt werden müssen.
  • Hauptdarsteller übernehmen auch fachfremde Aufgaben. Man möchte nicht noch weitere Akteure einführen.
  • Das Blaulicht eines Fahrzeug bedeutet "Ich nehme Sonderrechte im Straßenverkehr in Anspruch".. Es mag die Dramatik einer Szene erhöhen, wenn alle Fahrzeuge ihr Blaulicht aktiviert haben. Aber im allgemeinen wird es beim Erreichen des Tatorts abgestellt. 

Fehler aus Unwissenheit

Hierzu zählen Fehler, die sich wirklich vermeiden lassen.

  • Rauchen, Essen und andere ""Verunreinigungen" des Tatorts durch Ermittlungsbeamte.
  • Auch die Nahrungsaufnahme während einer Obduktion soll vielleicht zeigen, wie abgebrüht die Rechtsmediziner sind aber aus Gründen der Spurensicherung absolut verboten sind.
  • Die Suspendierung eines Beamten ist (zumindest in Deutschland) eine einschneidende Aktion, die nicht mal eben vom Vorgesetzten angeordnet werden kann.
  • Die Identifikation eines Toten durch den Ehepartner direkt in der Rechtsmedizin ist absolut unüblich
  • Die Gegenüberstellung (Zeuge blickt durch Glasscheibe auf Verdächtige und hinzugestellte Polizisten in Zivil) ist unüblich geworden, da oft auch die verständliche Nervosität des Verdächtigten ihn hervorhebt. Geradezu beispielhaft ist der Fall eines verdächtigten Farbigen, dem mangels anderer farbiger Polizisten, weiße Personen hinzugestellt wurden. Zielsicher wurde der Farbige "wiedererkannt" ("Der war's") . Diese Gegenüberstellung hatte vor Gericht keinen Bestand und später stellte sich auch die Unschuld des Verdächtigten heraus.
  • Das Verhör mit Blendung des Verdächtigten durch eine starke Lampe sind ebenfalls verboten
  • Es ist kaum möglich, eine Tür aufzuschießen. Ist sie durch eine Vorhängeschloss gesichert, weicht es der Kugel aus. Ist sie mit einem metallenem Klinkenschloss verschlossen besteht die Gefahr eines Querschlägers.
  • Benzin explodiert nicht unter Beschuss. Explosiv sind Benzindämpfe. Bei einem fast leeren Tank könnte eine Explosion auftreten, dann ist aber der Energiegehalt so gering, dass zumindest das Fahrzeug keinen Überschlag machen wird.
  • Die Fahrzeugtür eines normalen PKW (Streifenwagen) bietet keinen Schutz gegen Kugeln.
  • Eine Brandstelle ist auch nach Erlöschen des Feuers immer noch hoch-toxisch. Kaum denkbar, dass ein Ermittler ohne Atemschutz dort nach Spuren suchen wird.

Es sind Fälle bekannt, in denen auch Polizeibeamte den oben genannten Fehlern zum Opfer fallen. Somit prägt der Krimi auch die Realität. Ein leitender Ermittler berichtet von einem Polizeischüler, der die Tür eines mit einem Vorhängeschloss gesicherten Schuppens aufschießen wollte.

Der gleiche Ermittler konnte gerade noch verhindern, dass ein Kollege von der trauernden Witwe die Identifikation einer ins Gesicht geschossenen Leiche erwartete.


Eine Buchliste zum Thema Krimi-Fehler.