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Section Control ist ein automatisiertes Geschwindigkeitsüberwachungssystem, das von der Polizei und Verkehrsbehörden eingesetzt wird, um die Durchschnittsgeschwindigkeit von Fahrzeugen über einen definierten Streckenabschnitt zu messen. Im Gegensatz zu punktuellen Geschwindigkeitskontrollen erfasst dieses Verfahren das Fahrverhalten über eine längere Distanz und dient der Verkehrssicherheit sowie der Reduzierung von Unfallrisiken durch überhöhte Geschwindigkeit.

Allgemeine Beschreibung

Section Control, auch als Streckenradar oder Abschnittskontrolle bezeichnet, ist ein technisches Verfahren zur Geschwindigkeitsüberwachung, das auf der Messung der Durchschnittsgeschwindigkeit von Fahrzeugen über eine festgelegte Strecke basiert. Das System erfasst Fahrzeuge an zwei oder mehreren Messpunkten und berechnet anhand der zurückgelegten Zeit die mittlere Geschwindigkeit. Überschreitet ein Fahrzeug die zulässige Höchstgeschwindigkeit, wird ein Verstoß dokumentiert und kann als Grundlage für eine Sanktionierung dienen.

Die Technologie nutzt in der Regel automatische Kennzeichenerfassung (Automatic Number Plate Recognition, ANPR) in Kombination mit hochauflösenden Kameras und Sensoren. Die Messdaten werden zentral verarbeitet, wobei die Identität der Fahrenden zunächst anonym bleibt. Erst bei einer festgestellten Geschwindigkeitsüberschreitung wird das Kennzeichen mit den Fahrzeugdaten abgeglichen. Section Control wird vor allem in Bereichen mit hohem Unfallrisiko eingesetzt, etwa auf Autobahnen, in Tunneln oder auf Landstraßen mit häufigen Geschwindigkeitsverstößen.

Im Vergleich zu herkömmlichen Radarmessungen bietet Section Control den Vorteil, dass es nicht nur punktuelle Verstöße erfasst, sondern das Fahrverhalten über einen längeren Zeitraum analysiert. Dies führt zu einer gleichmäßigeren Geschwindigkeitsreduzierung und verringert das Risiko von abrupten Bremsmanövern, die selbst zu Unfällen führen können. Zudem ist das System weniger anfällig für Manipulationen, da es keine einzelnen Messpunkte gibt, die gezielt umgangen werden könnten.

Technische Details

Section Control-Systeme bestehen aus mindestens zwei Messstationen, die in einem definierten Abstand zueinander installiert sind. Die Distanz zwischen den Stationen variiert je nach Einsatzgebiet und kann zwischen einigen hundert Metern und mehreren Kilometern betragen. Jede Messstation ist mit Kameras, Infrarotsensoren und ANPR-Technologie ausgestattet, um Fahrzeuge zu erfassen und ihre Kennzeichen zu lesen. Die Zeitstempel der Erfassung an den jeweiligen Stationen werden mit der zurückgelegten Strecke verrechnet, um die Durchschnittsgeschwindigkeit zu berechnen.

Die Genauigkeit der Messung hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Präzision der Zeitmessung, die Qualität der Kennzeichenerfassung und die korrekte Kalibrierung der Sensoren. Moderne Systeme erreichen eine Messgenauigkeit von ±1 km/h, was den Anforderungen der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) und der Eichordnung entspricht. Die Daten werden in Echtzeit verarbeitet, wobei nur Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 3 km/h über dem zulässigen Limit dokumentiert werden, um Messungenauigkeiten auszuschließen.

Ein weiterer technischer Aspekt ist die Datenspeicherung. Die erfassten Daten werden verschlüsselt übertragen und nur für einen begrenzten Zeitraum gespeichert, um den Datenschutz zu gewährleisten. In Deutschland unterliegt die Nutzung von Section Control strengen rechtlichen Vorgaben, insbesondere dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Die Systeme müssen so konzipiert sein, dass sie keine personenbezogenen Daten unnötig speichern oder weitergeben.

Normen und Standards

Section Control-Systeme müssen den technischen Anforderungen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) entsprechen, die in Deutschland für die Zulassung von Messgeräten zuständig ist. Die PTB prüft unter anderem die Messgenauigkeit, die Zuverlässigkeit der Kennzeichenerfassung und die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben. Zudem müssen die Systeme regelmäßig geeicht werden, um ihre Funktionsfähigkeit zu gewährleisten. Die rechtliche Grundlage für den Einsatz von Section Control bildet in Deutschland die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), insbesondere § 3 Absatz 3, der die zulässige Höchstgeschwindigkeit regelt.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Section Control wird häufig mit anderen Geschwindigkeitsmessverfahren verwechselt, unterscheidet sich jedoch in wesentlichen Punkten:

  • Punktuelle Geschwindigkeitsmessung: Hierbei wird die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs an einem einzelnen Messpunkt erfasst, etwa durch Radar- oder Lasermessgeräte. Im Gegensatz zu Section Control wird nur ein Momentanwert gemessen, nicht die Durchschnittsgeschwindigkeit über eine Strecke.
  • Blitzer: Dieser umgangssprachliche Begriff bezeichnet stationäre oder mobile Geräte zur punktuellen Geschwindigkeitsmessung. Blitzer erfassen ebenfalls nur die Geschwindigkeit an einem bestimmten Ort und nicht über eine Distanz.
  • Mobilfunkbasierte Geschwindigkeitsmessung: Einige Systeme nutzen Mobilfunkdaten, um die Geschwindigkeit von Fahrzeugen zu schätzen. Diese Methode ist jedoch weniger präzise als Section Control und wird vor allem für statistische Auswertungen genutzt, nicht für die Ahndung von Verstößen.

Anwendungsbereiche

  • Autobahnen und Schnellstraßen: Section Control wird häufig auf hochfrequentierten Autobahnabschnitten eingesetzt, um die Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit zu überwachen und Unfallschwerpunkte zu entschärfen. Besonders in Baustellenbereichen oder auf Strecken mit häufigen Geschwindigkeitsverstößen kommt das System zum Einsatz.
  • Tunnel und Brücken: In Tunneln und auf Brücken ist die Unfallgefahr bei überhöhter Geschwindigkeit besonders hoch. Section Control trägt hier dazu bei, die Geschwindigkeit gleichmäßig zu reduzieren und gefährliche Bremsmanöver zu vermeiden. Bekannte Beispiele sind der Elbtunnel in Hamburg oder der Rennsteigtunnel in Thüringen.
  • Landstraßen und Gefahrenstellen: Auf Landstraßen mit unübersichtlichen Kurven, Bahnübergängen oder Schulen wird Section Control genutzt, um die Geschwindigkeit zu kontrollieren und die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Das System ist besonders effektiv, da es nicht nur punktuelle Verstöße erfasst, sondern das Fahrverhalten über eine längere Strecke analysiert.
  • Stadtverkehr und Umweltzonen: In einigen Städten wird Section Control eingesetzt, um die Einhaltung von Tempolimits in Umweltzonen oder verkehrsberuhigten Bereichen zu überwachen. Dies dient nicht nur der Verkehrssicherheit, sondern auch der Reduzierung von Lärm- und Schadstoffemissionen.

Bekannte Beispiele

  • Elbtunnel (Hamburg): Der Elbtunnel ist einer der bekanntesten Einsatzorte von Section Control in Deutschland. Das System überwacht die Geschwindigkeit der Fahrzeuge auf einer Strecke von etwa 3,1 Kilometern und trägt dazu bei, die Unfallrate in dem stark frequentierten Tunnel zu senken.
  • Rennsteigtunnel (Thüringen): Der Rennsteigtunnel auf der A71 ist mit Section Control ausgestattet, um die Geschwindigkeit der Fahrzeuge auf einer Länge von 7,9 Kilometern zu kontrollieren. Das System hat nachweislich zu einer Reduzierung der Unfallzahlen geführt.
  • Autobahn A3 bei Köln: Auf einem Abschnitt der A3 zwischen Köln und Leverkusen wird Section Control eingesetzt, um die Geschwindigkeit in einem Bereich mit häufigen Staus und Unfällen zu überwachen. Das System hat dazu beigetragen, die Durchschnittsgeschwindigkeit zu senken und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
  • Tauerntunnel (Österreich): In Österreich wird Section Control im Tauerntunnel auf der A10 eingesetzt. Das System überwacht die Geschwindigkeit auf einer Strecke von 6,4 Kilometern und ist Teil eines umfassenden Sicherheitskonzepts für den Tunnel.

Risiken und Herausforderungen

  • Datenschutz: Section Control erfasst und verarbeitet personenbezogene Daten, insbesondere Kennzeichen und Standortinformationen. Dies wirft datenschutzrechtliche Fragen auf, insbesondere hinsichtlich der Speicherdauer und der Weitergabe der Daten. In Deutschland müssen die Systeme den Vorgaben der DSGVO entsprechen, um den Schutz der Privatsphäre zu gewährleisten.
  • Akzeptanz in der Bevölkerung: Section Control wird von einigen Verkehrsteilnehmenden als übermäßige Überwachung wahrgenommen. Kritiker argumentieren, dass das System zu einer flächendeckenden Kontrolle führt und die Freiheit der Fahrenden einschränkt. Projekte zur Einführung von Section Control sind daher oft mit öffentlichen Diskussionen und rechtlichen Auseinandersetzungen verbunden.
  • Technische Störungen: Wie jedes technische System ist auch Section Control anfällig für Störungen, etwa durch Witterungseinflüsse, Verschmutzung der Sensoren oder Softwarefehler. Solche Störungen können zu fehlerhaften Messungen führen und die Zuverlässigkeit des Systems beeinträchtigen. Regelmäßige Wartung und Kalibrierung sind daher unerlässlich.
  • Kosten und Aufwand: Die Installation und der Betrieb von Section Control sind mit hohen Kosten verbunden. Neben den Anschaffungskosten für die Technik fallen auch Aufwendungen für Wartung, Eichung und Datenschutz an. Zudem erfordert die Einführung des Systems eine umfassende Planung und Abstimmung mit den zuständigen Behörden.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Die Nutzung von Section Control unterliegt strengen rechtlichen Vorgaben, die von Land zu Land unterschiedlich sein können. In Deutschland müssen die Systeme beispielsweise von der PTB zugelassen und regelmäßig geeicht werden. Zudem müssen die Messdaten gerichtsfest sein, um als Beweismittel in Bußgeldverfahren verwendet werden zu können.

Ähnliche Begriffe

  • ANPR (Automatic Number Plate Recognition): ANPR ist eine Technologie zur automatischen Erfassung von Fahrzeugkennzeichen. Sie wird in Section Control-Systemen eingesetzt, um Fahrzeuge an den Messpunkten zu identifizieren und die Durchschnittsgeschwindigkeit zu berechnen.
  • Streckenradar: Dieser Begriff wird synonym zu Section Control verwendet und bezeichnet ebenfalls ein System zur Messung der Durchschnittsgeschwindigkeit über eine Strecke. Der Begriff ist jedoch weniger präzise, da er auch punktuelle Messverfahren umfassen kann.
  • Geschwindigkeitsüberwachung: Dieser Oberbegriff umfasst alle Verfahren zur Kontrolle der Fahrzeuggeschwindigkeit, einschließlich Section Control, punktueller Messungen und mobilfunkbasierter Systeme. Section Control ist eine spezifische Form der Geschwindigkeitsüberwachung.
  • Verkehrsüberwachung: Verkehrsüberwachung ist ein weiter gefasster Begriff, der neben der Geschwindigkeitskontrolle auch andere Aspekte wie die Einhaltung von Verkehrsregeln, die Überwachung von Umweltzonen oder die Steuerung des Verkehrsflusses umfasst.

Zusammenfassung

Section Control ist ein automatisiertes System zur Messung der Durchschnittsgeschwindigkeit von Fahrzeugen über einen definierten Streckenabschnitt. Es wird von der Polizei und Verkehrsbehörden eingesetzt, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen und Unfallrisiken durch überhöhte Geschwindigkeit zu reduzieren. Das System nutzt ANPR-Technologie und hochauflösende Kameras, um Fahrzeuge an mehreren Messpunkten zu erfassen und die Durchschnittsgeschwindigkeit zu berechnen. Section Control bietet gegenüber punktuellen Messverfahren den Vorteil, dass es das Fahrverhalten über eine längere Distanz analysiert und so zu einer gleichmäßigeren Geschwindigkeitsreduzierung beiträgt.

Der Einsatz von Section Control unterliegt strengen rechtlichen und technischen Vorgaben, insbesondere in Bezug auf Datenschutz und Messgenauigkeit. Bekannte Beispiele für den Einsatz des Systems sind der Elbtunnel in Hamburg, der Rennsteigtunnel in Thüringen und der Tauerntunnel in Österreich. Trotz seiner Vorteile wirft Section Control auch Herausforderungen auf, etwa in Bezug auf Datenschutz, Akzeptanz in der Bevölkerung und technische Störungen. Dennoch hat sich das System als wirksames Instrument zur Verbesserung der Verkehrssicherheit etabliert.

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