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English: Vehicle Identification Number (VIN) / Español: Número de Identificación Vehicular (NIV) / Português: Número de Identificação do Veículo (NIV) / Français: Numéro d'Identification du Véhicule (NIV) / Italiano: Numero di Identificazione del Veicolo (NIV)

Die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN, international als Vehicle Identification Number, VIN, bezeichnet) ist ein weltweit standardisiertes Kennzeichen zur eindeutigen Identifikation von Kraftfahrzeugen. Sie dient der Polizei und anderen Behörden als zentrales Instrument zur Fahrzeugregistrierung, Strafverfolgung und forensischen Analyse. Die FIN ersetzt seit 1981 ältere Systeme wie die Fahrgestellnummer und ermöglicht eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von Fahrzeugen über ihren gesamten Lebenszyklus.

Allgemeine Beschreibung

Die Fahrzeugidentifikationsnummer ist ein alphanumerischer Code mit einer festgelegten Länge von 17 Zeichen, der nach internationalen Normen (ISO 3779 und ISO 4030) strukturiert ist. Sie setzt sich aus drei Hauptabschnitten zusammen: dem Weltherstellercode (World Manufacturer Identifier, WMI), dem Fahrzeugbeschreibungsteil (Vehicle Descriptor Section, VDS) und dem Fahrzeugidentifikationsteil (Vehicle Identifier Section, VIS). Jeder Abschnitt enthält spezifische Informationen über Hersteller, Fahrzeugtyp, Motorisierung und Produktionsstätte.

Die FIN wird während der Fahrzeugproduktion in das Chassis eingeschlagen oder per Laser eingraviert und ist an mehreren Stellen des Fahrzeugs sichtbar angebracht, darunter am Armaturenbrett (durch die Windschutzscheibe lesbar) und an der B-Säule. Zusätzlich ist sie in den Fahrzeugpapieren (Zulassungsbescheinigung Teil I und II) sowie in elektronischen Steuergeräten hinterlegt. Diese Mehrfachplatzierung erschwert Manipulationen und erhöht die Fälschungssicherheit.

Für die Polizei ist die FIN ein unverzichtbares Werkzeug bei der Aufklärung von Straftaten wie Fahrzeugdiebstahl, Betrug oder Unfallflucht. Durch Abgleich mit Datenbanken wie dem Zentralen Fahrzeugregister (ZFZR) oder dem Schengener Informationssystem (SIS) können Fahrzeuge innerhalb kürzester Zeit identifiziert und zugeordnet werden. Zudem ermöglicht die FIN die Zuordnung von Fahrzeugteilen, was bei der Aufklärung von Unfällen oder der Bekämpfung von Organisierter Kriminalität im Autohandel von Bedeutung ist.

Technische Details

Die Struktur der FIN folgt einem hierarchischen Aufbau, der eine globale Eindeutigkeit gewährleistet. Der Weltherstellercode (WMI) umfasst die ersten drei Zeichen und identifiziert den Hersteller sowie das Produktionsland. Beispielsweise steht "WVW" für Volkswagen in Deutschland, während "JHM" Honda in Japan kennzeichnet. Die Vergabe der WMI-Codes obliegt der Society of Automotive Engineers (SAE) in Zusammenarbeit mit nationalen Behörden.

Der Fahrzeugbeschreibungsteil (VDS) besteht aus den Zeichen 4 bis 9 und enthält herstellerspezifische Informationen wie Fahrzeugtyp, Modellreihe, Karosserieform und Motorisierung. Die genaue Kodierung variiert zwischen Herstellern, folgt jedoch oft standardisierten Mustern. So kann das vierte Zeichen beispielsweise die Fahrzeugklasse (z. B. Limousine, SUV) und das achte Zeichen den Motorentyp (z. B. Diesel, Benzin) definieren. Das neunte Zeichen ist eine Prüfziffer, die nach einem mathematischen Algorithmus (Modulo-11-Verfahren) berechnet wird und zur Validierung der FIN dient.

Der Fahrzeugidentifikationsteil (VIS) umfasst die Zeichen 10 bis 17 und enthält eine fortlaufende Produktionsnummer sowie das Modelljahr (Zeichen 10) und den Produktionsort (Zeichen 11). Das Modelljahr wird dabei nicht zwingend als Kalenderjahr angegeben, sondern folgt einem herstellerspezifischen Zyklus (z. B. "A" für 2010, "B" für 2011). Die letzten sechs Zeichen bilden eine sequenzielle Seriennummer, die jedes Fahrzeug innerhalb einer Baureihe eindeutig kennzeichnet.

Die Prüfziffer (neuntes Zeichen) ist ein zentrales Sicherheitsmerkmal der FIN. Sie wird durch eine gewichtete Summenbildung aller anderen Zeichen berechnet und ermöglicht eine schnelle Überprüfung der Gültigkeit. Dies ist besonders relevant für die Polizei, um manipulierte oder gefälschte FINs zu erkennen. Moderne Lesegeräte und Softwarelösungen können die Prüfziffer automatisch validieren und so potenzielle Fälschungen identifizieren.

Historische Entwicklung

Die Einführung der Fahrzeugidentifikationsnummer geht auf die 1950er-Jahre zurück, als die zunehmende Globalisierung des Automobilhandels eine standardisierte Kennzeichnung erforderlich machte. Vor 1981 verwendeten Hersteller individuelle Systeme, die oft nur national oder gar unternehmensintern gültig waren. Dies führte zu erheblichen Problemen bei der Fahrzeugidentifikation, insbesondere im grenzüberschreitenden Verkehr.

Mit der Verabschiedung der ISO-Norm 3779 im Jahr 1977 wurde erstmals ein weltweiter Standard für die FIN festgelegt. Die Norm wurde 1981 durch die ISO 4030 ergänzt, die die Platzierung der FIN am Fahrzeug regelt. In der Europäischen Union wurde die FIN durch die Richtlinie 76/114/EWG verbindlich eingeführt und später durch die Verordnung (EU) 19/2011 präzisiert. Diese Rechtsakte verpflichten Hersteller, die FIN dauerhaft und gut sichtbar am Fahrzeug anzubringen sowie in den Fahrzeugpapieren zu dokumentieren.

Seit den 2000er-Jahren wird die FIN zunehmend in digitale Systeme integriert. Moderne Fahrzeuge speichern die FIN in elektronischen Steuergeräten, was eine automatisierte Auslesung durch Diagnosesysteme ermöglicht. Für die Polizei bedeutet dies eine erhebliche Effizienzsteigerung, da FINs nicht mehr manuell erfasst werden müssen, sondern direkt aus dem Fahrzeug ausgelesen werden können. Zudem wird die FIN in Blockchain-basierten Systemen erprobt, um die Fälschungssicherheit weiter zu erhöhen.

Normen und Standards

Die Fahrzeugidentifikationsnummer unterliegt internationalen und nationalen Normen, die ihre Struktur, Platzierung und Verwendung regeln. Die wichtigsten Standards sind:

  • ISO 3779: Definiert die Struktur und den Aufbau der FIN (17 Zeichen, alphanumerisch).
  • ISO 4030: Regelt die Platzierung der FIN am Fahrzeug (z. B. Armaturenbrett, B-Säule).
  • Richtlinie 76/114/EWG (EU): Verpflichtet Hersteller zur Anbringung der FIN in Fahrzeugen und Fahrzeugpapieren.
  • Verordnung (EU) 19/2011: Präzisiert die Anforderungen an die FIN in der EU, einschließlich der Prüfziffernberechnung.
  • SAE J853: Standard der Society of Automotive Engineers zur Vergabe von Weltherstellercodes (WMI).

In Deutschland ist die FIN zudem im Straßenverkehrsgesetz (StVG) und der Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) verankert. Die Polizei nutzt die FIN zur Abfrage im Zentralen Fahrzeugregister (ZFZR), das vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) geführt wird. Das ZFZR enthält Daten zu allen in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen und ist ein zentrales Instrument der polizeilichen Arbeit.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Die Fahrzeugidentifikationsnummer wird häufig mit anderen Fahrzeugkennzeichen verwechselt, die jedoch unterschiedliche Zwecke erfüllen:

  • Fahrgestellnummer: Ein veralteter Begriff, der sich auf die vor 1981 verwendete Kennzeichnung des Fahrgestells bezog. Die Fahrgestellnummer war oft kürzer als die FIN und nicht international standardisiert. Seit 1981 wird sie durch die FIN ersetzt, wobei der Begriff umgangssprachlich noch verwendet wird.
  • Kraftfahrzeugkennzeichen (Kfz-Kennzeichen): Das amtliche Nummernschild eines Fahrzeugs, das von der Zulassungsbehörde vergeben wird. Es dient der regionalen Zuordnung und ist nicht mit der FIN identisch. Während die FIN ein fahrzeugspezifischer Code ist, kann das Kfz-Kennzeichen bei Halterwechsel oder Umzug geändert werden.
  • Motoridentifikationsnummer: Eine herstellerspezifische Kennzeichnung des Motors, die unabhängig von der FIN vergeben wird. Sie dient der Identifikation des Motors und ist nicht Teil der FIN.
  • Typenschlüsselnummer (TSN): Ein Code in der Zulassungsbescheinigung, der Fahrzeugtyp und -variante beschreibt. Die TSN ist Teil der Fahrzeugpapiere, aber nicht mit der FIN identisch.

Anwendungsbereiche

  • Strafverfolgung: Die Polizei nutzt die FIN zur Identifikation gestohlener Fahrzeuge, zur Aufklärung von Unfallflucht oder zur Bekämpfung von Betrug im Autohandel. Durch Abgleich mit Datenbanken wie dem Schengener Informationssystem (SIS) oder dem Zentralen Fahrzeugregister (ZFZR) können Fahrzeuge schnell lokalisiert und Tätern zugeordnet werden.
  • Forensische Analyse: Bei Unfällen oder Straftaten ermöglicht die FIN die Zuordnung von Fahrzeugteilen (z. B. nach einem Brand oder einer Explosion). Forensiker können anhand der FIN Rückschlüsse auf Hersteller, Modell und Produktionsjahr ziehen, was bei der Rekonstruktion von Tatabläufen hilft.
  • Fahrzeugregistrierung: Die FIN ist Grundlage für die Zulassung eines Fahrzeugs und wird in den Fahrzeugpapieren (Zulassungsbescheinigung Teil I und II) dokumentiert. Sie dient als Nachweis der Fahrzeugidentität und ist Voraussetzung für die Erteilung eines Kfz-Kennzeichens.
  • Versicherungswesen: Versicherungen nutzen die FIN zur Risikobewertung und Schadensregulierung. Sie ermöglicht die eindeutige Zuordnung von Fahrzeugen zu Versicherungspolicen und verhindert Betrug durch falsche Angaben.
  • Rückrufaktionen: Hersteller nutzen die FIN, um betroffene Fahrzeuge bei Sicherheitsmängeln oder technischen Defekten zu identifizieren. Die Polizei unterstützt bei der Durchsetzung von Rückrufaktionen, indem sie die FIN zur Lokalisierung der Fahrzeuge einsetzt.
  • Grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Im Rahmen internationaler Polizeikooperationen (z. B. Interpol, Europol) dient die FIN als gemeinsamer Standard zur Fahrzeugidentifikation. Sie ermöglicht den Austausch von Daten über gestohlene oder gesuchte Fahrzeuge über Ländergrenzen hinweg.

Bekannte Beispiele

  • Interpol-Datenbank für gestohlene Fahrzeuge: Interpol führt eine globale Datenbank mit FINs gestohlener Fahrzeuge, die von Polizeibehörden weltweit abgefragt werden kann. Die Datenbank enthält über 7 Millionen Einträge und ist ein zentrales Instrument zur Bekämpfung des internationalen Fahrzeugdiebstahls.
  • Schengener Informationssystem (SIS): Das SIS ist eine europäische Datenbank, in der FINs von Fahrzeugen gespeichert werden, die im Zusammenhang mit Straftaten gesucht werden. Die Polizei kann über das SIS Echtzeitabfragen durchführen und Fahrzeuge bei Grenzkontrollen identifizieren.
  • Zentrales Fahrzeugregister (ZFZR) in Deutschland: Das vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) geführte Register enthält die FINs aller in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge. Die Polizei nutzt das ZFZR zur Abfrage von Fahrzeugdaten, z. B. bei Verkehrskontrollen oder Ermittlungen.
  • Rückrufaktionen von Volkswagen (Dieselskandal): Im Zuge des Abgasskandals nutzte Volkswagen die FIN, um betroffene Fahrzeuge zu identifizieren und Rückrufaktionen durchzuführen. Die Polizei unterstützte bei der Überwachung der Rückrufe und der Ahndung von Verstößen.

Risiken und Herausforderungen

  • Manipulation und Fälschung: Kriminelle manipulieren FINs, um gestohlene Fahrzeuge umzuschreiben oder betrügerische Verkäufe durchzuführen. Besonders gefährdet sind ältere Fahrzeuge, bei denen die FIN nicht elektronisch gespeichert ist. Die Polizei setzt daher auf spezielle Prüfverfahren (z. B. UV-Licht, Magnetpulver) und Datenbankabgleiche, um Fälschungen zu erkennen.
  • Datenbanklücken: Nicht alle Länder führen zentrale Fahrzeugregister, was die internationale Zusammenarbeit erschwert. In einigen Staaten fehlen zudem gesetzliche Vorgaben zur Speicherung und Weitergabe von FIN-Daten, was die Aufklärung von Straftaten behindert.
  • Technische Herausforderungen: Moderne Fahrzeuge speichern die FIN in elektronischen Steuergeräten, die durch Hacking oder technische Defekte beschädigt werden können. Dies kann zu Fehlidentifikationen führen oder die Auslesung der FIN verhindern. Die Polizei muss daher über aktuelle Diagnosetools verfügen, um solche Fälle zu bearbeiten.
  • Datenschutz: Die Speicherung und Weitergabe von FIN-Daten unterliegt strengen Datenschutzbestimmungen (z. B. DSGVO in der EU). Die Polizei muss sicherstellen, dass Abfragen nur im Rahmen gesetzlicher Befugnisse erfolgen und keine unberechtigten Zugriffe auf Fahrzeugdaten stattfinden.
  • Internationale Unterschiede: Obwohl die FIN international standardisiert ist, gibt es länderspezifische Abweichungen in der Umsetzung. Beispielsweise verwenden einige Hersteller in den USA zusätzliche Zeichen oder abweichende Kodierungen, was die Auswertung erschwert. Die Polizei muss diese Unterschiede bei grenzüberschreitenden Ermittlungen berücksichtigen.

Ähnliche Begriffe

  • Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II): Ein amtliches Dokument, das die FIN sowie weitere Fahrzeugdaten enthält. Der Fahrzeugbrief dient als Eigentumsnachweis und wird bei der Zulassung oder dem Verkauf eines Fahrzeugs benötigt.
  • Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I): Ein Dokument, das die FIN, das Kfz-Kennzeichen und technische Daten des Fahrzeugs enthält. Der Fahrzeugschein muss bei Fahrten mitgeführt werden und dient der Polizei als Nachweis der Zulassung.
  • Karosserienummer: Eine herstellerspezifische Kennzeichnung der Fahrzeugkarosserie, die unabhängig von der FIN vergeben wird. Sie dient der Identifikation der Karosserie und ist nicht mit der FIN identisch.
  • Teilenummer (Part Number): Eine herstellerspezifische Kennzeichnung von Fahrzeugteilen, die nicht mit der FIN verwechselt werden darf. Teile können zwar über die FIN einem Fahrzeug zugeordnet werden, haben jedoch eigene Identifikationsnummern.

Zusammenfassung

Die Fahrzeugidentifikationsnummer ist ein zentrales Instrument der polizeilichen Arbeit und ermöglicht die eindeutige Identifikation von Fahrzeugen weltweit. Durch ihre standardisierte Struktur und Mehrfachplatzierung am Fahrzeug bietet sie eine hohe Fälschungssicherheit und ist Grundlage für Datenbankabfragen, Strafverfolgung und forensische Analysen. Die FIN unterliegt internationalen Normen wie ISO 3779 und ISO 4030 sowie nationalen Rechtsvorschriften, die ihre Verwendung regeln. Trotz ihrer Bedeutung birgt sie Herausforderungen wie Manipulationsrisiken, technische Hürden und Datenschutzfragen, die von der Polizei kontinuierlich adressiert werden müssen. Als unverzichtbares Werkzeug im Kampf gegen Fahrzeugkriminalität und bei der Aufklärung von Straftaten bleibt die FIN ein Schlüsselelement der modernen Polizeiarbeit.

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